Nadeln und Cartridges: Codes und Konfigurationen lesen
Auf der Verpackung einer Nadel oder Cartridge steht ein Code aus wenigen Ziffern und Buchstaben, der Stärke, Spitzenzahl, Konfiguration und oft auch den Taper zusammenfasst. Wer ihn lesen kann, kann Produkte verschiedener Marken vergleichen und versteht, warum zwei Nadeln mit demselben Code nicht zwangsläufig identisch sind. Dieser Ratgeber erklärt, wie sich die Angaben zusammensetzen, zeigt einige Beispiele und vergleicht die wichtigsten Konfigurationsfamilien unter dem Gesichtspunkt der Form. Die Definitionen der einzelnen Begriffe stehen im Glossar: Hier geht es darum, sie gemeinsam zu lesen.
Ein Code ist ein kurzer Satz
Der handelsübliche Code einer Nadel oder Cartridge funktioniert wie ein Satz aus Teilen in ziemlich gleichbleibender Reihenfolge: zuerst die Stärke, dann die Spitzenzahl, dann die Konfiguration und, wenn angegeben, der Taper. Manche Hersteller fügen einen internen Code, eine Farbe oder einen Hinweis auf den Membrantyp hinzu.
Eine Norm für dieses Format gibt es nicht. Es ist eine verbreitete Konvention, und gerade deshalb sollte man den Code als Hinweis lesen und anhand der Herstellerbeschreibung prüfen, besonders beim Vergleich verschiedener Marken.
Die vier Teile des Codes
1. Stärke
Meist sind es die ersten beiden Ziffern. Sie geben den Durchmesser jeder einzelnen Spitze an, mit einer konventionellen Zuordnung: zum Beispiel 08 für etwa 0,25 mm, 10 für etwa 0,30 mm und 12 für etwa 0,35 mm. Eine höhere Zahl bedeutet also eine dickere Spitze, das Gegenteil dessen, was die Intuition nahelegen würde.
Die Zuordnung zu Millimetern ist eine Branchenpraxis und nicht überall gleich: Manche Hersteller geben direkt Millimeter an, andere verwenden ein Symbol wie #. Der Millimeterwert im Datenblatt ist verlässlicher als die Ziffern allein.
2. Anzahl der Spitzen
Die folgenden Ziffern geben an, wie viele Spitzen die Gruppe bilden: 07 für sieben, 15 für fünfzehn. Diese Zahl allein genügt nicht, um die Nadel zu verstehen: Sieben Spitzen in einem Round Liner und sieben in einem Magnum zeichnen völlig verschiedene Formen.
Bei Magnums können Hersteller die Gesamtzahl der Spitzen zählen oder die beiden Reihen beschreiben: Die Produktbeschreibung sagt, welche Konvention verwendet wird.
3. Konfiguration
Die Buchstaben beschreiben die Anordnung der Spitzen: RL (Round Liner), RS (Round Shader), M1 (Magnum), RM (Curved Magnum), F oder FL (Flat). Das sind die gängigsten Kürzel, doch manche Hersteller verwenden Varianten, etwa eine «Soft»-Version oder eine andere Nummerierung bei Magnums.
4. Taper
Am Ende des Codes kann ein Kürzel für den Taper stehen, also die Länge des konischen Abschnitts an der Spitze: zum Beispiel MT für Medium Taper und LT für Long Taper. Die Kategorien (short, medium, long, extra long) haben nicht bei jedem Hersteller dieselben Millimetermaße.
Steht der Taper nicht im Code, findet er sich meist in der Beschreibung oder in einem Datenblatt.
Fünf Beispielcodes
Die Beispiele sind Richtwerte: Sie zeigen den Aufbau, beschreiben aber kein reales Produkt.
| Code | So liest man ihn |
|---|---|
1003RL | Stärke 10 (etwa 0,30 mm), drei Spitzen, Round Liner |
1207RL-LT | Stärke 12 (etwa 0,35 mm), sieben Spitzen, Round Liner, Long Taper |
0809RS | Stärke 08 (etwa 0,25 mm), neun Spitzen, Round Shader |
1215M1 | Stärke 12, fünfzehn Spitzen, Magnum mit zwei versetzten Reihen |
1009RM-MT | Stärke 10, neun Spitzen, Curved Magnum, Medium Taper |
Hält sich ein Code nicht an diese Reihenfolge oder enthält er Buchstaben, die hier nicht vorkommen, handelt es sich wahrscheinlich um einen Herstellercode: Die Produktbeschreibung ist maßgeblich.
Zwei Nadeln mit demselben Code sind nicht zwangsläufig gleich
Der Code beschreibt Kategorien, keine Feinmaße. Zwei 1207RL-Cartridges können sich im Grouping (enger oder weiter beieinanderliegende Spitzen), im Taper (Länge des konischen Abschnitts), in der aus der Spitze herausragenden Nadellänge und im Membrantyp unterscheiden. Das sind Unterschiede, die der Code nicht zeigt und die Hersteller mit Worten beschreiben, nicht mit gemeinsamen Zahlen.
Deshalb ist der Markenvergleich genauer, wenn man Code, Beschreibung und, soweit vorhanden, Bilder und angegebene Maße zusammen liest.
Die Konfigurationsfamilien, als Formen betrachtet
Von vorn betrachtet zeichnet jede Familie des Spitzenbündels eine andere Form. Dieser Vergleich ist rein geometrisch: Er zeigt weder, wie man eine Nadel verwendet, noch welche man wählen soll.
| Familie | Form der Gruppe | Grundidee |
|---|---|---|
| Round Liner | Kompakter Kreis | Spitzen eng beieinander, gebündelte Kontaktfläche |
| Round Shader | Offenerer Kreis | Gleiches Schema, Spitzen weiter auseinander |
| Flat | Einzelne Reihe | Spitzen in derselben Ebene ausgerichtet |
| Magnum (M1) | Zwei versetzte Reihen | Breite, durchgehende Fläche |
| Curved Magnum (RM) | Eine oder zwei Reihen im Bogen | Breite Fläche mit gekrümmtem Profil |
Dieselben Familien gibt es mit verschiedenen Spitzenzahlen und Stärken: Die Form bleibt, Breite und Dichte der Gruppe ändern sich.
Cartridge oder Nadel mit Tip: Was sich beim Lesen ändert
Eine Cartridge enthält Nadel, Tip und meist die Membran in einem einzigen Element: Der Code beschreibt das Ganze, hinzu kommt die Kompatibilität mit der Maschine, also das Anschlusssystem. Bei Systemen mit getrennter Nadel und getrenntem Tip (oder Griff) müssen Nadel und Tip dagegen aufeinander abgestimmt werden, und die Konfiguration des Tips folgt der der Nadel.
In beiden Fällen gilt dieselbe Regel: Der Code sagt, was im Spitzenbündel steckt, das Datenblatt sagt, wie es zum übrigen Equipment passt.
Verwandte Begriffe: Diameter / Gauge · Needle Configuration · Round Liner · Round Shader · Magnum · Curved Magnum · Flat · Taper · Grouping · Cartridge · Membran · Needle Hang · Needle Depth · Cartridge-Kompatibilität
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